Krankheit im Alltag

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„Ich hatte eben erst die Küche mit neuen Hansgrohe Spültischarmaturen eingerichtet und war so glücklich über die neuen Armaturen, dass ich etwas unaufmerksam das Abendessen zubereitete. Es sollte auch einen Salat geben. Gerade als ich dabei war, die Gurken zu schneiden geschah es: Das scharfe Messer kreuzte den Weg mit meinem Zeigefinger. Blitzschnell zog ich meine Hand zurück, doch es fing schon an zu bluten.

Der rote Lebenssaft hinterließ auch schon einige Tropfen auf den fabrikneuen Küchenarmaturen, bevor ich mich dem Verbandskasten widmen konnte. Der steht, seit ich von der Krankheit weiß, immer gut zu erreichen. Ich verband meinen Finger mit der üblichen Prozedur. Das Abendessen wurde nach hinten verschoben. Natürlich. Denn ich kochte nicht allein für mich, sondern auch für die Kinder.

Zuerst wanderte -leider Gottes- der restliche Teil der Gurke in den dafür vorgesehenen Müll. Wenn Nahrungsmittel mit meinem Blut, ich muss schon fast sagen „kontaminiert“ sind, werden sie entsprechend entsorgt. Die Kinder sollen ohne diese schlimme Krankheit leben dürfen. Auch die Spültischarmaturen mussten einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. Mit Wasser und adäquaten Reinigungsmitteln behandelte ich das Edelstahl.

Es strahlte danach wieder im alten, neuen Glanz, was mich zumindest ein wenig über die teilweise düsteren Gedanken bezüglich meiner HIV Infektion hinwegtröstete. Nachdem die Spülbrause ihren Dienst getan hatte, entschloss ich mich dazu, dass es an jenem Tag eben einmal keinen hausgemachten Salat geben würde. Da ich ausnahmsweise mit dem Salat angefangen und den Rest des Gerichtes noch gar nicht zubereitet hatte, entschloss ich mich kurzerhand Abendessen zu bestellen. Pizza mit Salatbeilage. Den Kindern gefiel es immer hin.

Ich war an dem Tag dann mental wieder mit mir selbst und dem tödlichen Leiden beschäftigt. Da das zu dieser Zeit häufiger vorkam, fasste ich ein Herz und begann psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, worüber ich im Rückblick wahnsinnig froh bin, denn heute kann ich mit der Krankheit besser umgehen“(…)

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