Wem davon erzählen?

VN:F [1.9.11_1134]
Rating: 5.9/10 (7 votes cast)

Mit der Krankheit bzw. der Diagnose HIV positiv zu leben, ist eine Sache, die Frage, wen man über die Krankheit unterrichten soll bzw. unterrichten muss, eine völlig andere. Muss man Freunden davon zwangsweise erzählen? Sind sie enttäuscht über den Vertrauensbruch, wenn sie erst nach jahrelanger Freundschaft von der Krankheit des Freundes erfahren? Die Krankheit mit anderen zu teilen, wirft für die Betroffenen viele Fragen auf.

Im Falle von Nadja B. (bekannt von der deutschen Girlie-Band „No Angels“) muss jetzt vor Gericht geklärt werden, ob sie ihren Liebhaber vorsätzlich mit dem Virus infiziert hat oder nicht. Man steht in jedem Fall in der ethischen sowie gesetzlichen Verpflichtung, seinem Geschlechtspartner davon zu unterrichten (und dies vor dem Sexualverkehr), dass man mit dem Virus infiziert wird. Natürlich haben viele Infizierte Angst vor der Reaktion: Wird er mich deswegen verlassen? Durchwühlt er oder sie bald das Branchenbuch nach Kontaktanzeigen?

Sicher ist, dass es nicht leicht für das zweisame Liebesverhältnis ist, wenn einer der Partner infiziert ist. Jedoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass man es dem Partner von dem Vertrauensaspekt aus betrachtet, schuldig ist, ihn davon zu unterrichten, noch bevor es zu einer emotionalen Bindung kommt. Man darf sich aber auch nichts vormachen: Die Chancen, nach diesem Geständnis abgewiesen zu werden, sind leider sehr hoch.

So ist es bei Infizierten oft der Fall, dass sie in Beratungs- und Betreuungsgruppen nicht nur Halt und Beratung finden, sondern auch einen Partner, der zu einem passt. In Online-Branchenbüchern, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern findet man Informationen zu solchen Patiententreffen.

Für den engeren Freundeskreis gilt: Menschen, die einem wirklichen Halt geben und denen man sich nah fühlt, werden die Diagnose gut aufnehmen. Andere, oberflächliche Freundschaften werden dieser Zerreißprobe vermutlich weniger standhalten. Aber mal ehrlich, wer braucht dann diese Freundschaften auch?

Man muss allerdings auch Verständnis dafür haben, dass es Menschen mit gewissen Berührungsängsten gibt. Aufklärungsgespräche mit Experten können dazu beitragen, diesen Ängsten zu begegnen. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt oder werfen Sie einen Blick ins regionale Branchenbuch, um Kontakt zu solchen Gruppen aufzunehmen. Entscheiden Sie aus dem Bauch heraus, wem Sie Ihr Vertrauen schenken können oder nicht.

Wem davon erzählen?, 5.9 out of 10 based on 7 ratings

Vorheriger Eintrag:

Nächster Eintrag: